10 Fehler beim Fliegen mit Kindern – und wie du sie vermeidest

Fliegen mit Kindern. Für manche Eltern klingt das nach einem harmlosen Satz. Für andere löst er sofort ein vertrautes Kribbeln im Bauch aus, das irgendwo zwischen Vorfreude und stiller Panik liegt.

Und das ist vollkommen verständlich. Denn ein Flugzeug ist ein geschlossener Raum, in dem man weder rausgehen kann noch wirklich viel kontrollieren kann. Kinder, die quengeln, weinen oder einfach nicht stillsitzen wollen, sind in diesem Kontext eine echte Herausforderung. Nicht weil sie schwierige Kinder sind, sondern weil ein Flugzeug nun mal kein kindgerechter Ort ist.

Das Gute ist, dass die meisten Stresssituationen beim Fliegen mit Kindern nicht aus dem Nichts kommen. Sie entstehen fast immer aus denselben vermeidbaren Fehlern. Wer die kennt, kann sich und seinen Kindern den Flug deutlich angenehmer machen.

Hier kommen die 10 häufigsten Fehler beim Fliegen mit Kindern und wie du es von Anfang an besser machst.


1. Das Handgepäck nicht kindgerecht packen

Der erste Fehler passiert zu Hause, lange bevor man überhaupt am Flughafen ist. Das Handgepäck wird irgendwie vollgepackt, mit Erwachsenenkram, Dokumenten, Kosmetik und vielleicht einem Buch für die Eltern. Und dann sitzt man im Flugzeug und merkt, dass für die Kinder eigentlich nichts dabei ist.

Das Handgepäck ist beim Fliegen mit Kindern das Wichtigste, was du dabei hast. Es ist dein Werkzeugkasten für alles, was auf dem Flug passieren kann. Hunger, Langeweile, Tränen, Ohrenschmerzen beim Starten und Landen, Übelkeit oder einfach die Frage, was man jetzt die nächsten zwei Stunden machen soll.

Wer das Handgepäck strategisch packt, hat auf fast jede Situation eine Antwort. Wer es nicht tut, improvisiert und das macht sich irgendwann bemerkbar.

Tipps:

Pack für jedes Kind eine eigene kleine Tasche oder einen Rucksack mit Dingen, die es selbst verwalten darf, das gibt Kindern das Gefühl von Kontrolle und Eigenständigkeit. Nimm ausreichend Snacks mit, denn Essen ist auf langen Flügen der zuverlässigste Stimmungsregulator. Vergiss Ohrstöpsel oder Kopfhörer für Kinder nicht, Wechselkleidung für jedes Kind und eine für dich, denn Missgeschicke passieren immer in der Luft. Packst du Spielzeug oder Bücher ein, wähle Dinge, die neu oder besonders sind und nicht die abgenutzten Alltagssachen von zu Hause.


2. Keine Beschäftigung für den Flug vorbereiten

Kinder können nicht einfach zwei, vier oder gar acht Stunden stillsitzen und aus dem Fenster schauen. Das können Erwachsene oft kaum, und von Kindern zu erwarten, dass sie das problemlos hinbekommen, ist schlicht unrealistisch.

Trotzdem starten viele Familien in den Flieger ohne einen wirklichen Plan dafür, wie die Zeit vergehen soll. Man hofft auf das Bordprogramm, auf Schlaf oder darauf, dass die Kinder irgendwie schon klarkommen. Manchmal funktioniert das. Oft nicht.

Gute Beschäftigung für den Flug muss nicht aufwendig sein. Aber sie muss vorbereitet sein, denn im Flugzeug ist es zu spät, noch schnell etwas zu organisieren.

Tipps:

Lade vor dem Flug Filme, Serien oder Kinderpodcasts herunter, die offline verfügbar sind, denn auf das Bordprogramm oder das Flugzeug-WLAN solltest du dich nicht verlassen. Bereite eine kleine Überraschungstüte vor mit neuen kleinen Spielsachen, Stickerbüchern, Malheften oder Minispielen, die du erst im Flugzeug rausgibst, denn die Neuheit verlängert die Beschäftigung enorm. Wechsle Aktivitäten bewusst durch statt alles auf einmal rauszugeben, denn ein Kind, das nach zwanzig Minuten alles gesehen hat, ist schwerer zu beruhigen als eines, auf das noch etwas wartet. Für sehr kleine Kinder sind vertraute Dinge wie ein Lieblingsbuch oder ein bestimmtes Lied oft wirkungsvoller als neues Spielzeug.


3. Den Sitzplatz nicht im Voraus reservieren

Wer beim Fliegen mit Kindern auf eine gute Sitzplatzverteilung hofft, ohne sie vorher zu buchen, spielt russisches Roulette. Im besten Fall sitzt die Familie zusammen. Im schlechtesten Fall verteilt das System Eltern und Kinder auf verschiedene Reihen im Flugzeug.

Das klingt nach einem extremen Szenario, ist aber gar nicht so selten. Gerade bei Billigfliegern, bei denen Sitzplatzreservierungen extra kosten, nehmen viele Familien das Risiko in Kauf und bereuen es dann.

Mit Kindern zusammenzusitzen ist nicht nur Komfort, sondern Notwendigkeit. Ein dreijähriges Kind alleine in Reihe 14 während die Eltern in Reihe 28 sitzen ist für alle Beteiligten, einschließlich der Mitreisenden, keine angenehme Situation.

Tipps:

Reserviere Sitzplätze immer im Voraus, auch wenn es extra kostet, denn dieser Aufpreis ist jeden Cent wert. Wähle Plätze mit genug Platz, also Gangplätze oder Plätze mit mehr Beinfreiheit, wenn Kleinkinder dabei sind, die auf dem Schoß sitzen oder viel Bewegung brauchen. Sitze mit Fenstersicht sind für ältere Kinder oft ein echter Motivationsfaktor, denn das Beobachten von Wolken und Städten von oben kann sie erstaunlich lange beschäftigen. Informiere dich bei der Airline über spezielle Familienreihen, denn viele Fluggesellschaften reservieren bestimmte Bereiche für Familien mit kleinen Kindern.


4. Den Flughafen-Stress unterschätzen

Der eigentliche Flug ist für viele Familien gar nicht das größte Problem. Es ist der Flughafen davor. Lange Schlangen beim Check-in, Sicherheitskontrollen, die mit Kindern zehnmal so lange dauern, weite Wege zum Gate und das alles mit müden oder aufgedrehten Kindern, die nicht wissen, warum sie jetzt so lange warten müssen.

Flughäfen sind laut, unübersichtlich und für Kinder schwer zu verstehen. Der Stress der Eltern überträgt sich auf die Kinder und die Energie der Kinder überträgt sich auf die Eltern. Das ist eine Wechselwirkung, die sich schnell hochschaukeln kann.

Wer mehr Zeit als nötig einplant und den Flughafenablauf kindgerecht gestaltet, startet deutlich entspannter in den Flug.

Tipps:

Plane deutlich mehr Zeit ein als du für nötig hältst, denn mit Kindern dauert alles länger als ohne, von der Sicherheitskontrolle über den Toilettengang bis zum Finden des richtigen Gates. Erkläre Kindern im Voraus, was sie am Flughafen erwartet, denn Kinder, die wissen was passiert, sind deutlich ruhiger als Kinder, die von Schritt zu Schritt überrascht werden. Nutze den Spielbereich, falls der Flughafen einen hat, um überschüssige Energie abzubauen, bevor ihr ins Flugzeug steigt. Pack Snacks griffbereit ins Handgepäck, damit ihr nicht teure Flughafenpreise zahlen müsst und immer etwas zur Hand habt, wenn die Stimmung kippt.


5. Kleine Kinder ohne Ohrenschmerzvorsorge fliegen lassen

Das ist einer der Fehler, bei dem ich wirklich wünschte, ihn früher gekannt zu haben. Beim Starten und Landen verändert sich der Kabinendruck und das spüren Erwachsene als leichtes Druckgefühl in den Ohren. Für Babys und Kleinkinder kann das deutlich schmerzhafter sein, weil ihre Eustachischen Röhren enger sind und der Druckausgleich schwerer fällt.

Das Ergebnis sind weinende, schreiende Kinder, die sich die Ohren halten und für die man in diesem Moment wirklich nichts tun kann, wenn man nicht vorbereitet ist. Und das Gefühl als Elternteil, dem eigenen Kind nicht helfen zu können, ist einer der stressigsten Momente, die es beim Fliegen gibt.

Dabei ist die Vorsorge einfach und wirksam, wenn man weiß, worauf es ankommt.

Tipps:

Gib Babys beim Start und bei der Landung die Brust oder eine Flasche, denn das Schlucken hilft beim Druckausgleich und beruhigt gleichzeitig. Für ältere Kinder eignen sich Kaugummi, Lutscher oder ein Getränk mit Strohhalm beim Landen, um das Schlucken anzuregen. Spezielle Ohrstöpsel für Kinder, die den Druckausgleich verlangsamen, sind eine gute Investition für häufige Flieger. Kinder mit Erkältung oder Mittelohrentzündung sollten wenn möglich nicht fliegen, denn das Druckgefühl ist dann um ein Vielfaches stärker und schmerzhafter.


6. Den Nachtflug mit kleinen Kindern unterschätzen

Nachtflüge klingen für Eltern kleiner Kinder verlockend. Die Theorie ist klar: Kinder sind müde, Kinder schlafen, alle kommen ausgeruht am Zielort an. In der Praxis klappt das deutlich seltener als erhofft.

Kinder, die normalerweise in ihrem vertrauten Bett schlafen, schlafen nicht automatisch in einem lauten, hellen Flugzeugsessel, der sich nicht richtig zurücklegen lässt. Und ein Kind, das eigentlich schlafen sollte, aber aus Erschöpfung und Überstimulation nicht kann, ist das Gegenteil von einem entspannten Reisegefährten.

Nachtflüge können funktionieren, aber sie brauchen eine realistische Erwartungshaltung und die richtige Vorbereitung.

Tipps:

Plane den Nachtflug nicht als sichere Schlafgarantie ein, sondern bereite dich darauf vor, dass auch die Nacht aktiv werden könnte. Nimm vertraute Schlafritualgegenstände mit, also das Lieblingskuscheltier, eine bekannte Decke oder ein bestimmtes Lied, das beim Einschlafen hilft. Kleidung für den Nachtflug sollte bequem und warm sein, denn Flugzeuge können nachts sehr kalt werden. Plane nach dem Nachtflug einen ruhigen ersten Tag ein statt sofort mit Aktivitäten zu starten, damit alle nachholen können, was die Nacht vielleicht nicht gebracht hat.


7. Zu wenig Snacks und das Falsche mitbringen

Essen ist im Flugzeug mit Kindern keine Nebensache. Es ist Strategie. Ein hungriges Kind in der Luft ist schwer zu beruhigen, und auf das Bordessen zu warten ist mit kleinen Kindern oft keine Option, weil es zu spät kommt, zu wenig ist oder schlicht nicht schmeckt.

Dazu kommt, dass die Bordmahlzeiten auf Kurzstreckenflügen oft gar nicht mehr inklusive sind und am Flughafen kostet alles das Dreifache. Wer mit leeren Händen im Flieger sitzt, zahlt entweder drauf oder kämpft mit quengeligen Kindern.

Snacks im Flugzeug sind gleichzeitig Nahrung, Ablenkung und Beruhigungsmittel. Sie verdienen einen eigenen Platz im Packplan.

Tipps:

Pack deutlich mehr Snacks ein als du denkst zu brauchen, denn Langeweile und Aufregung machen Kinder hungrig. Wähle Snacks, die nicht krümeln, nicht tropfen und nicht stinken, denn du sitzt auf engem Raum neben anderen Menschen. Bekannte Lieblingssnacks von zu Hause sind besser als neue Sachen, denn vertrautes Essen beruhigt. Nimm eine leere Trinkflasche mit, die du nach der Sicherheitskontrolle füllst, und vergiss nicht, dass Kinder in der Flugzeugluft, die sehr trocken ist, mehr trinken sollten als gewöhnlich.


8. Kinder nicht auf den Flug vorbereiten

Für viele Kinder ist Fliegen etwas völlig Unbekanntes. Ein lautes Geräusch beim Start, das Wackeln bei Turbulenzen, der Druck auf den Ohren oder einfach das Gefühl, in einem engen Rohr hoch in der Luft zu sitzen, kann Angst machen, wenn man es nicht kennt.

Eltern, die das nicht ansprechen und Kinder einfach unvorbereitet ins Flugzeug setzen, riskieren, dass aus Neugierde Angst wird. Und Angst in einem Flugzeug ist schwer zu nehmen, wenn man gerade selbst mit Sicherheitsgurt und Tablett beschäftigt ist.

Ein kurzes Vorgespräch zu Hause, das den Flug erklärt und Fragen beantwortet, kann einen enormen Unterschied machen.

Tipps:

Erkläre Kindern im Voraus, was beim Fliegen passiert, vom Check-in über die Sicherheitskontrolle bis zum Start und zur Landung. Nutze Kinderbücher über das Fliegen, Videos auf YouTube oder einfach ein ruhiges Gespräch, um Fragen zu beantworten und Unsicherheiten zu nehmen. Sei ehrlich, wenn du selbst manchmal ein komisches Gefühl beim Fliegen hast, denn Kinder merken, wenn Erwachsene nervös sind, und offene Kommunikation ist besser als erzwungene Gelassenheit. Mach den Flug zu einem Abenteuer statt zu einer Pflicht, denn die Einstellung der Eltern überträgt sich direkt auf die Kinder.


9. Auf die Bedürfnisse der Mitreisenden keine Rücksicht nehmen

Das ist ein Punkt, über den man ungern spricht, weil er sich schnell wie ein Vorwurf anfühlt. Aber es gehört zur Ehrlichkeit dazu. Kinder, die laut sind, treten, schreien oder stundenlang quengeln, sind für die Menschen um sie herum eine echte Belastung. Und Eltern, die das ignorieren oder nichts dagegen unternehmen, machen den Flug für alle unangenehm.

Das bedeutet nicht, dass Kinder im Flugzeug perfekt sein müssen. Das sind sie nicht und das kann man nicht erwarten. Aber es bedeutet, dass man als Elternteil aktiv versucht, Störungen zu minimieren und bei unvermeidlichem Stress zumindest Verständnis zeigt.

Ein kurzes Lächeln, ein entschuldigendes Nicken oder ein ehrliches Sorry an den Sitznachbarn kosten nichts und verändern die Atmosphäre im Flugzeug manchmal komplett.

Tipps:

Reagiere auf Weinen oder Quengeln deines Kindes aktiv und nicht mit dem Gedanken, dass es sich schon von selbst gibt, denn die Mitreisenden werden es dir danken. Stelle sicher, dass Kinder nicht dauerhaft gegen den Vordersitz treten, denn das ist einer der häufigsten und nervenaufreibendsten Beschwerden von Fluggästen. Nimm Kopfhörer für Filme und Spiele mit, damit Geräusche nicht alle im Umkreis beschallen. Und wenn trotz allem ein schwieriger Flug passiert, nimm es nicht persönlich, denn jeder Elternteil kennt diese Momente und die meisten Menschen haben mehr Verständnis als man in solchen Momenten denkt.


10. Nach dem Flug keine Erholungszeit einplanen

Der Flieger landet, der Urlaub beginnt und sofort geht es weiter. Transfer, Hotel, Ausflug, Aktivität. Kinder, die stundenlang im Flugzeug saßen, wenig geschlafen haben und durch mehrere Zeitzonen geflogen sind, sollen jetzt einfach funktionieren.

Das tun sie manchmal. Oft aber nicht. Erschöpfte Kinder nach einem langen Flug direkt in ein volles Programm zu stecken, ist ein Rezept für schlechte Stimmung, Zusammenbrüche und Tränen, die eigentlich vermeidbar wären.

Der erste Tag nach einem Langstreckenflug gehört dem Ankommen. Nicht dem Programm.

Tipps:

Plane den ersten Tag nach dem Flug bewusst ruhig, mit wenig Programm, viel Freiheit und Zeit zum Ankommen. Lass Kinder schlafen, wenn sie schlafen wollen, auch wenn das den Jetlag verlängert, denn ein ausgeruhtes Kind ist wichtiger als ein perfekter Schlafrhythmus am ersten Tag. Nutze den Ankunftstag für einfache Dinge wie Ankommen in der Unterkunft, einen ruhigen Spaziergang oder ein entspanntes Abendessen statt für große Ausflüge. Denke auch an dich selbst, denn Fliegen mit Kindern ist anstrengend und auch du brauchst nach der Reise einen Moment zum Durchatmen.


Fliegen mit Kindern ohne typische Fehler – so wird der Flug zum entspannten Start

Fliegen mit Kindern wird nie so entspannt sein wie ein Soloflug mit Buch und Kopfhörern. Das ist die ehrliche Wahrheit. Aber es kann deutlich angenehmer sein als der Stress, den viele Eltern im Voraus befürchten.

Wer vorbereitet ist, wer die typischen Fehler kennt und wer mit realistischen Erwartungen in den Flieger steigt, wird merken, dass auch lange Flüge mit Kindern machbar sind. Manchmal sogar richtig schön.

Denn wenn ein Kind zum ersten Mal aus dem Flugzeugfenster schaut und die Wolken unter sich sieht, ist das ein Moment, den man als Elternteil nicht vergisst. Und genau für solche Momente lohnt sich die ganze Vorbereitung.

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